KATTENBRACK - Familienforschung Klüsekamp
  Kleidung der Landbewohner
 

Die Kleidung der Landbewohner
um 1800 - 1850 - 1880
Über die Kleidung der Landbewohner in unsere engeren Heimat berichten uns der kurfürstlichen Schultheiß Ernst Carthaus, gestorben 1837, und sein Sohn Amtmann Eberhard Carthaus, gestorben 1882. In ihren Aufzeichnungen lesen wir:


Um 1800

Hinsichtlich der Kleidung war die alte Bauerntracht bereits um 1800 ins Schwinden gekommen. Sie bestand bei den Männern aus einem niedrigen, breitrandigen schwarzen Filzhut, mit langem, meist schieferfarbigem Tuchrocke mit stehendem schwarzen Kragen und großen blanken oder sternförmig übersponnenen Knöpfen - langer Weste - kurzen, neben dem Knie geknöpften oder geschnallten Hosen von Tuch oder Bock- oder Hirschleder -, langen Strümpfen und Schuhenmit großen Schnallen. An den Werktagen wurde statt des Tuchrockes ein bis über die Knie reichender Rock von weißer Leinwand, die sogenannte Wenneke, oder ein langes Kamisol (= enganliegendes Wams) getragen. Der kernige Tuchrock sowie die teuren Hirschleder-Hosen hatten nicht selten dem Vater und Großvater des letzten Besitzers gedient.

Bei den Frauen war die Kopfbedeckung zusammengesetzt aus einer die obere Hälfte der Stirn bedeckenden, im Nacken befestigten, enganliegenden Binde von feiner Leinwand (Sterntuch), aus einer weißen Mütze, deren Spitzenbesatz vorn auf der Binde lag und aus einem durch untergelegten Karton gesteiften hellseidenen, mit Goldtresse eingefaßten und in der Mitte mit Goldfäden gestickten kleinen Aufsatz in Form einer Eispitze. Für Trauerfälle war der Aufsatz von schwarzem Sammet, mit Silber verziert. Diese das Haar völlig verhüllende Kopfbedeckung neigte sich nach dem Nacken hinüber.

Ferner bestand die Frauentracht in einem enganliegenden Kamisol mit kurzem, mehrmals gespaltenem Schoße - einem kleinen Brusttuch - einem weiten, vielfaltigen, bis kaum über die Fußknöchel herabfallenden Rocke - breiter Schürze - Zwickelstrümpfen - Schuhen mit Schnallen und Riemen. Schwersammete, auf den Fingern in eine Spitze auslaufende, im oberen Ende mit Kaninchenpelz besetzte Handschuhe reichten am Arm bis zum Ellenbogen, wo die kurzen Ärmel des Kamisols zu einer hinabhängenden Schrippe sich erweiterten. Kamisol und Kleid waren von schwarzem oder schieferblauem Tuch. Goldene oder silberne Kreuze am schwarzen Bande machten den Halsschmuck aus.

Für die Werktage war die Frauenkleidung von schlechterem Stoffe und in der Regel notdürftig. Mitunter hatte das Kleid, soweit es von der Schürze bedeckt wurde, einen Einsatz von Leinwand, um so an dem teuren Kleiderstoff zu sparen. Diesen Einsatz nannte man "Magsachte". Man leitete den Namen her von dem Satze: "Dat maget sachte dohn.".

Für Kinderkleidung gab es nur geringe Ausgaben, da sie in der Regel gemacht wurden aus Kleidungsstücken, welche Eltern abgelegt hatten. Die Kinder unbemittelter Eltern gingen während des Sommers barfuß über Stein und Stoppel. Ich weiß noch, daß im ganzen Dorf nur ein Regenschirm zu finden war.


Um 1850

Obgleich die beschriebene alte Standestracht schon vor 60 Jahren als abgetan zu betrachten war und die jüngere Generation sich der Mode zuwandte, so ging man doch darin hier am Orte noch schüchtern vor und ließ den höheren Ständen einen weiten Vorsprung.

In der Männertracht wurde der alte Hut durch die Kappe verdrängt - die kurze Hose durch lange Beinkleider - die beschnallten Schuhe durch Stiefel oder Schuhe mit Riemen - der weiße Werktagsrock durch den blauen Kittel.

In der Frauentracht wurde die alte Kopfbedeckung verdrängt durch einfache weiße oder bunte Mützen - die weiten Faltenröcke durch engere Kleider. Schnitt und Stoffe wurden gewechselt und dadurch die frühere Gleichförmigkeit beseitigt. Aber noch war der Standesunterschied auch in der Kleidung erkennbar. Hierzu mochte der Umstand beitragen, daß damals für den Bauernstand eine geldlose Zeit war. Man mußte sich behelfen und wußte sich noch zu behelfen, weshalb Sparsamkeit und Rücksicht auf Dauerhaftigkeit bei Anschaffung von Kleidungsstücken noch in erster Linie zu Rate gezogen wurden.


Um 1880

Für die Kleidertracht ist, mit wenigen Ausnahmen, jetzt allein die wechselnde Mode maßgebend; selbst die weniger Bemittelten kommen ihr nach, soweit es ihr Kredit gestattet. Der Unterschied zwischen Stadt und Land und beinahe auch zwischen Stand und Stand hat hierin aufgehört. Wenn der Dorfschneider nicht nach der neuesten Mode zu arbeiten versteht, so ist es aus mit seinem Geschäft; und die Magd hierorts trägt sonntags Hut und Schleier wie die Stadtdame. Auch der blaue Kittel ist hier aus der Männertracht nahezu verschwunden.

Soweit Carthaus - und heute?





Quelle: unbekannt!
Der Artikel stammt aus einem älteren, kleinen Heftchen über die Hellweg- und Haarlandschaft; möglicherweise aus den 40er Jahren.
Leider fehlt mir die Umschlagseite, sodaß ich den Titel des Hefts nicht kenne; zudem ist selbiges in keinem guten Zustande mehr.

 

 

 
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