KATTENBRACK - Familienforschung Klüsekamp
  Enkelchen und Großmütterchen
 
Enkelchen und Großmütterchen


Enkelchen:
Großmütterchen, ziehst ja die Stirne so kraus;
Ich denke, die mein' sieht ganz anders aus.
Fühl' nur! meine Stirne ist sanft und glatt,
Wie kommt's, daß die deine so Falten hat?
Wie viele von den kleinen Falten sind hier,
Und noch die großen, eins, zwei, drei, vier!
Großmütterchen, sage mir doch genau,
Wer zog dir die Furchen so tief, so rauh?

Großmütterchen:
Die Furchen, mein Kind, so groß und so klein,
Die drückte das Leben so scharf mir ein.
Die kleinen Furchen um Mund und Kinn,
Die zogen die kleinen Sorgen darin;
Die Furchen am Auge, so wirr und kraus,
Die höhlten die salzigen Thränen aus.
Die e r st e grub mir mit einem Schlag
Einst deines Großvaters Todestag.
Dann blieb dein Vater in heißer Schlacht:
Das hat mir den z w e i t e n Strich gemacht.
Dann starb deine Mutter und ließ dich allein;
Davon mag der d r i t t e Strich wohl sein.

Enkelchen:
Und der v i e r t e - du armes Großmütterlein!
Der scheint der tiefste, der schlimmste zu sein.

Großmütterchen:
Ja wohl! ein Schmerzensschwert die Furche schnitt;
Es durchschnitt einen Teil meines Herzens mit.
Mein andrer Sohn - er folgte mir nicht;
Er achtet nicht Mutterwort, nicht Pflicht. -
Mein Kind, nun frage mich weiter nicht!



(vor 1898, Verfasser unbekannt)
 
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